Mein Land – meine Heimat?!

65 Jahre Landesverfassung Baden-Württemberg – eigentlich etwas für Schülerinnen und Schüler nicht sehr Spannendes. Doch an diesem Nachmittag mit dieser Persönlichkeit schon. Muhterem Aras, Erste Frau im Lande, kam gemeinsam mit Professor Reinhold Weber, Leiter, sowie Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann zu Besuch ins „Haus auf der Alb“ und begrüßte 25 Schüler des Wirtschaftsgymnasiums und Berufskollegs. Nach persönlicher Vorstellung „sprang der Funke“ sehr schnell über und bereitete den Weg für einen spannenden Nachmittag mit bereichernden Begegnungen sowie interessanten Gesprächen.
Die Frage nach der Legalisierung von Cannabis beantwortete Frau Aras als zweifache Mutter mit: „Lasst die Finger davon weg, das ist und bleibt eine Droge – Ihr braucht das doch nicht.“ Christliche Erziehung in Ehrfurcht vor Gott – noch aktuell? Irgendwie schon. Trotz einer anderen Religionszugehörigkeit sprach sich Frau Aras für die Basis christlicher Werte im Bundes- und Landesverfassung aus, ohne damit Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften auszuschließen: „Das ist in Ordnung und das ist gut so“. Jeder Jugendliche soll unter Aufsicht der staatlichen Schulbehörde Religionsunterricht seiner Glaubensrichtung erhalten können.
Ein zweiter Fokus des Jubiläums lag auf dem Begriff „Heimat“. Die Schüler definierten Heimat als persönliche Gefühlslage, fernab von Geburts- oder Wohnort. Frau Aras erzählte von ihrer Kindheit in Anatolien und ihrem persönlichen Werdegang in Deutschland. Bei der Geburt ihrer Tochter fielen ihr für kurze Zeit wieder kurdische Lieder und Liebkosungen ein, die sie auch trotz mancher belastender Kindheitsaugenblicke nicht vergessen will. „Eine ganz emotionale Sache also“, bezeugt sie. Wenn man dann hier in Deutschland ohne Diskriminierung seine Sprache und Kultur leben kann, „ist das doch eine Befreiung“ und man könne stolz auf das Grundgesetz sein. Auf dem Erreichten ausruhen wäre allerdings nicht im Sinne der Väter der Verfassung. Im Bereich Emanzipation sowie Gleichstellung von Mann und Frau sei noch „viel Luft nach oben“. Was bedeutet das nun alles für die Schüler: Nicht abzuwarten was die Politik für einen tut, sondern wählen gehen und Engagement zeigen. Der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt bildete den Abschluss der zweiten Aktion der Reihe „Wertsachen“, die im Frühjahr 2019 ihre Fortsetzung finden wird.