Zeitzeugengespräch mit einem politischen Häftling in der DDR

Bad Urach, 15. Januar 2020 – Es wird still im sogenannten Aquarium, einem an drei Seiten ver-glasten Raum der Georg-Goldstein-Schule in Bad Urach. Konstanze Helber, Jahrgang 54, beginnt von ihren Erfahrungen in der ehemaligen DDR zu erzählen – von ihrer Rebellion im Kindergarten, als sie nicht das machen wollte, was die Erzieherinnen ihr diktierten, von ihren unerwünschten Fragen während der Schulzeit und von ihrem Fluchtversuch 1977. Mit ihrem gescheiterten Fluchtversuch – Frau Helber wollte zu ihrem damaligen Freund und heutigen Mann in die BRD flüchten – begann jedoch erst der Hauptteil ihres Vortrags, nämlich die zweijährige Haft im berüchtigten DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck in Stollberg.

Anschaulich und mit konkreten Beispielen aus ihren Erinnerungen versucht die Zeitzeugin das Unmögliche zu schaffen – den Schüler*innen zu ermöglichen, sich in die Lage eines politischen Häftlings in der DDR zu versetzen. Sie berichtet von den alltäglichen Problemen der weiblichen Gefängnisinsassen – dass sie ihre Zelle mit 47 Insassinnen teilen musste, dass man keine Privat-sphäre hatte und selbst beim Gang auf das Klo beobachtet wurde oder dass man Zwangsarbeit zum Vorteil der DDR leisten musste.
Gute zwei Jahre musste Konstanze Helber an diesem „dunklen Ort“ verbringen, bis sie von der BRD freigekauft wurde.

Dass die Schüler*innen den Vortrag aufmerksam verfolgt haben, merkt man an den Fragen, die an die Referentin im Anschluss an ihre Erzählung gestellt werden und die diese mit einer anste-ckenden Mischung aus Motivation, Aufrichtigkeit und Ausdauer beantwortet. Die Zuhörer interes-sieren sich vor allem für die Flucht, die Maßnahmen der Stasi und die Entwicklung des Verhältnis-ses der Zeitzeugin zu ihrer damaligen besten Freundin, die gleichzeitig, so stellte sich später her-aus, auch als IM über sie berichtet hatte.

Zu guter Letzt bleibt der Appell, die Geschichte der DDR und deren Umgang mit Regimegegnern niemals zu vergessen. Es bleibt der Appell, Dinge kritisch zu hinterfragen und nicht alles hinzu-nehmen. Und es bleibt der inbrünstige Appell und hier zitiert die Zeitzeugin den ehemaligen Bür-gerrechtler und aktuellen Bundesbeauftragten für die Stasiakten Roland Jahn: „Freiheit muss man sich nehmen!“
Es wird ein letztes Mal still im Aquarium.