Podiumsgespräch mit einer Auschwitz-Überlebenden

Die Nummer auf deinem Unterarm ist blau wie deine Augen.

Eva Umlauf ist eine der jüngsten Holocaust-Überlebenden. Als Kleinkind kam sie in das Vernichtungslager Auschwitz: „Ich war ein Wrack, zum Tode verurteilt“, sagt die gebürtige Slowakin heute. Am 27. Januar 1945 wurde das Lager Auschwitz befreit. Aufgrund des 75-jährigen Gedenkens hatten Schülerinnen und Schüler der GGK-AG die Möglichkeit, Eva Umlauf „live“ bei einem Podiumsgespräch auf dem Haus auf der Alb zum Thema „Auschwitz heute“ zu befragen.

Als zweijähriges Kind hat Eva Umlauf die Zeit im KA Auschwitz nicht bewusst miterlebt. Trotzdem hat diese deutliche Spuren bei ihr hinterlassen, nicht nur die Tätowierung der Häftlingsnummer auf ihrem Unterarm, die mitgewachsen und noch zu erkennen ist. Sie berichtet von der Geburt ihrer Schwester in einer Baracke bei Minustemperaturen. „Vergessen Sie das Kind, es wird nicht leben.“ Doch der Lager-Arzt hatte die Rechnung ohne Evas junge Mutter gemacht: „Es war die Fürsorge meiner Mutter, die schwanger diese Hölle überlebt hat“ – und so auch Evas Leben rettete, später jedoch wie ihr Vater durch die Nationalsozialisten ermordet wurde. Wohl auch deshalb sind Eva Umlauf und ihre Mutter auf dem Cover des Buches, aus dem sie auszugsweise an diesem Sonntagmittag vorlas, abgebildet. 1968 kehrte sie in das Land ihrer Peiniger zurück. Dabei machte sie positive wie negative Erfahrungen mit ihrer Vergangenheit. Über den jungen Mann in der Münchner U-Bahn, der die Tätowierung entdeckte, staunt sie noch heute. Kurz bevor er ausstieg sagte er zu ihr: „Ich möchte mich bei Ihnen entschuldigen, was meine Vorfahren Ihnen angetan haben.“ Größere Sorgen bereitet Eva Umlauf das Unwissen vieler, wenn sie etwa im Krankenhaus gefragt werde, was „sie sich da hingeschmiert habe“ oder ob sie nicht zu alt für ein Tattoo sei. Erlebnisse, die sie zu einer aktiven Zeitzeugin werden lassen.
2008 kehrt sie das erste Mal an den Ort des Geschehens zurück, als Privatperson. Es beginnt ein aktiver Aufarbeitungsprozess mit ihrer Vergangenheit. Zum Jahrestag 2011 hält sie eine Rede im Lager Auschwitz. Ihre Vergangenheit hat sie auch beruflich beeinflusst. Eva Umlauf leitet eine Praxis für Psychotherapie in München. Das Geschehene aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und zu verstehen, damit es zu keiner Wiederholung kommt, dazu möchte sie beitragen. In einer Zeit, in der extremistische Tendenzen wieder verstärkt zum Vorschein kommen, keine leichte Aufgabe. Was passiert eigentlich, wenn die letzten Zeitzeugen verstorben sind? Die treffende Antwort auf diese Frage und gleichzeitig Schlusswort des Podiumsgesprächs gab ein Schüler: „Dann ist es ja gut, dass Sie solch ein Buch geschrieben haben“.