Besuch der Gedenkstätte Grafeneck

Freitags nach der Schule noch eine Schulveranstaltung? Am 15.11. geht es für knapp 20 motivierte Teilnehmer der Politik-AG nicht ins wohlverdiente Wochenende sondern nach Grafeneck auf die Alb. Bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts war das Schloss Grafeneck ein Heim für Menschen mit Behinderung, heute ist es eine Gedenkstätte. 1940 hatten die Nazis das Heim auf perverse Weise umfunktioniert und eine Einrichtung zur Vernichtung „unwerten Lebens“ daraus gemacht: das sogenannte Euthanasie-Programm oder die T4-Aktion. Über 10.000 Menschen wurden hier wegen ihrer geistigen Behinderung oder psychischen Erkrankung ermordet.
Heutzutage sieht man davon – abgesehen von der Gedenkstätte – nicht mehr viel. Deshalb geht es zunächst ins Schloss selbst, wo die Gruppe mit der Geschichte des Ortes und des Euthanasie-Programms vertraut gemacht wird. In den knapp 60 Minuten wird dabei wieder einmal der Schrecken der Naziherrschaft und die Perversität ihrer Ideologie deutlich: aus der ganzen näheren und weiteren Umgebung wurden Menschen vor allem aus anderen Heimen in Bussen nach Grafeneck transportiert. Extra grau gestrichen, damit sie nicht auffallen sollten, war „die grauen Busse“ trotzdem binnen kürzester Zeit in der ganzen Nachbarschaft bekannt. Aus diesen Bussen mussten die Abtransportierten dann in einen Schuppen umsteigen, in den dann Auspuffabgase geleitet wurden, bis die Gefangenen erstickten.
Erst nach dieser Einführung geht es auf das Gelände selbst: Auch heute ist Grafeneck wieder ein Ort, an dem Behinderte leben und betreut werden. Auch deshalb geht es in Grafeneck nicht nur um seine Nazi-Vergangenheit sondern auch um Erinnerungskultur: Wie wurde mit dem Ort nach 45 umgegangen und wie soll weiterhin mit ihm umgegangen werden?
Dort, wo der Schuppen gestanden hat, befindet sich heute ein verglaster Gemeinschaftsraum, in dem Kaffee getrunken werden kann und den man leicht übersieht.
Außerdem befindet sich auf dem Gelände ein kleines Museum, in dem sich 10.654 Tonfiguren finden, die jeden Ermordeten symbolisieren und die von den Besuchern mitgenommen werden können, um sie wieder „nach Hause zu holen“. Entlang der Allee finden sich auch ein Friedhof und eine Gedenkstätte mit einem Buch mit den Namen der Ermordeten.
Nach rund zwei Stunden verabschiedet sich unser Guide und wir bleiben erschlagen zurück von den Grausamkeiten, die sich so direkt vor unserer Haustür abgespielt haben.