Austauschprojekt „Tradition und Entwicklung“

Die Teilnehmer werden heutige Bewohner der ausgewählten Siedlungen in Bessarabien zur aktuellen sozialen und ökonomischen Situation befragen. Sie sollen die jeweiligen Ergebnisse vergleichen, im Hinblick auf mögliche Entwicklungsperspektiven oder auch besondere Problemfelder analysieren und auswerten. Hier finden Sie tagesaktuelle Berichte von diesem interessanten Projekt.

Donnerstag, 13.07.17

Start der Mission 07:15. Reibungsloser Transfer von der Georg-Goldstein-Schule zum Airport. Engmaschige, Sicherheitschecks, Abflug in zwei Maschinen via Warschau und via Wien in die Republik Moldau. Ankunft beider Gruppen gegen 19:00 in Chisinau: Stärkung in authentischem Ambiente und regionaler Küche.
Danach Abfahrt nach Tarutino (Ukraine): Über holprige, nächtliche Rollbahnen bei aufgehendem Mond. Militante Grenzkontrollen zwischen Moldawien und der Ukraine machen uns deutlich, wie schön ein Europa ohne Grenzen ist. 01:00 Uhr im Bessarabienhaus in Tarutino mit herzlichem Empfang von unseren Ukrainischen Freunden.

Freitag 14. Juli 2017

Wir treffen uns um 08:30 zum Frühstück bei Sonnenschein im Gartenpavillon. Danach geht es über die lange Dorfstraße zum ehemaligen Knabengymnasium zur ersten gemeinsamen Arbeitssitzung:  Georg-Goldstein-Schüler, Studenten der Polytechnischen Universität Odessa, ihre Professoren und Dozenten, wir Lehrer: Herr Salzer und Dr. Wesely: Gruppeneinteilung, Ablauf der Projektphasen, Erläuterung der Forschungsfragen.

Wir werden uns aufteilen um in deutsch-ukrainischen Arbeitsgruppen exemplarisch vier Ortschaften unter ethnologischen Fragestellungen zu untersuchen: Moldawisch, rumänisch, ukrainisch, der ehemals von bessarabiendeutschen Gemeinden.

Samstag 15. Juli 2017

Mit herrlichem Wetter starteten nun die vier Forschungsgruppen in die jeweiligen Dörfer:
1. Winogradowka
2. Nadretschnoje
3. Nadeshowka
4. Malojaroslawez
Dort werden die Forschungsteams die folgenden zwei Tage lang arbeiten. Sie treffen vor Ort Kontaktpersonen, die Prof. Dr. Alexander Prigarin ausgewählt und vorbereitet hat; sie geben erste Orientierung und führen unsere Forscher zu interessanten Einrichtungen und Interviewpartnern etc.
Die Teams setzten sich aus ukrainischen Studenten und unseren Schülern zusammen, die Verständigung stellt kein Problem dar. Dominik aus der ukrainischen Gruppe gibt dem Unternehmen noch ein internationaleren Touch: Er ist Schotte und studiert in Cambridge.
Die Schüler und Studenten werden es genießen selbständig zu agieren. Morgen wird der ‚Staff‘ zu den Dörfern ausschwärmen und die Arbeitsgruppen besuchen.
Aber schon heute Abend erwarten wir erste Berichte aus den Ortschaften – sofern es die Technik dort zulässt. Also bleiben Sie dran!

Sonntag 16. Juli 2017

Eindrücke von der „Inspektionstour“: Die Bilder zeigen es: Über Feldwege und staubige Rollbahnen ging der Weg zu den Dörfern, die mit einer Ausnahme keine Netzverbindung haben. Was zuhause in kurzer Zeit gefahren wird, hier ist es halbe Tagesreise! Dennoch, ohne Netz und ohne modernen Komfort. Schüler und Studenten fühlen sich wohl: überschwängliche Gastfreundschaft, die sich nicht zuletzt in einer reichlichen Gasttafel zeigte, und freundschaftliche Gemeinschaft treffen wir an allen Orten an. Es ist eine Zeitreise und eine Reise zu sich selbst, so mutet es an.

Montag 17. Juli 2017

Ein großes Hallo. Die Expeditionsteams kommen zurück nach Tarutino ins komfortable Bessarabien Haus. Alle sind wohl auf und genießen ausgiebig die modernen Duschen und WC´s. Danach erfrischt wurden die Erfahrungsberichte in unserer Deutschen Team Runde ausgetauscht.
Wir alle sind voller Vorfreude. Die ukrainischen Freunde feiern ein großes Fest mit uns, dazu ist die ganze Fakultät angereist.
Schon am Vortage kündigte eine besondere Geschäftigkeit in der Küche außergewöhnliche Ereignisse an: Der Geburtstag des Begründers der Ethnographie in Russland.
Der Garten ist ideal für ein Fest: in einem offenen Pavillon wurden lange Tischreihen aufgestellt, liebevoll gedeckt, auf großen Platten: Gemüse, Fladen, Fleisch. Überm Feuer noch der Kessel mit der super Suppe. Dem Pavillon gegenüber befindet sich eine kleine Theaterbühne. Nach und nach erscheinen unsere Schüler und Studenten aus der Maske zum Fest. Es wurde fürstlich gespeist, Landrat und Bürgermeister waren vor Ort und hielten Tischreden. Dann gab jedes Dorfteam eine Darbietung auf der Bühne. Auch die deutschen Projektleiter, verstärkt durch die ukrainischen Lehreinnen stimmten in einem Chor „Die Gedanken sind frei“ an. Das Teilnahmezertifikat erhielten die jungen Forscher erst nach einem öffentlichen Examen. Ein feierlicher Ritus, bei dem man mit einem Sprung über das Lagefeuer in die Zunft der Ethnographen aufgenommen wird, schloss den offiziellen Rahmen.

Dienstag 18. Juli 2017

Die Schülerinnen und Studenten sind bereits auf dem Weg zurück in ihre Dörfer, um dort ihre Berichte für die anstehende Pressekonferenz vorzubereiten.

Mittwoch 19. Juli 2017

Das Helikopterteam sucht erneut die Forschungsgemeinden auf. Diesmal ging es weniger um das Wohlbefinden der Schüler vor Ort sondern um die Besprechung der Arbeitsergebnisse.
Denn morgen Abend sollen sie in Kilian vorgestellt werden. Kilian wird das morgige Reiseziel. Es ist ein Städtchen im Donaudelta. Es eines der größten Naturwunder Europas. Bevor wir jedoch in dieses herrliche Biotop eintauchen, werden die Studenten und Schülergruppen vor Presse und Publikum präsentieren.
Was wir in den Dörfern bei den Forschungsteams angetroffen haben, lässt schöne Ergebnisse und interessante Einsichten erwarten. Es braucht nicht erwähnt zu werden, wie sehr die Teams sich gefunden haben und zusammengeschweißt sind.

 

Donnerstag 20. Juli

Wir verließen unsere Basis, das Bessarabienhaus in Tarutino. Kurz nach 11 Uhr schaukelten zwei Busse über die holprige Ortsstraße Richtung Süden.
Ziel war das Städtchen Kilia, das im Donaudelta gelegen ist, fast eingeschlossen von rumänischem Staatsgebiet. Das Besondere in Kilia ist, dass sich dort eine Niederlassung der EU befindet, eine Einrichtung, welche die gemeinsamen ökologischen Belange im Donaudelta behandelt. Denn der Umweltschutz kennt keine Grenzen.
In dem Gebäude fanden wir einen wunderbar klimatisierten Konferenzraum vor. Die Forscherteams der vier Untersuchungsortschaften trugen in deutscher Sprache ihre Ergebnisse vor: Lebensweisen, ökonomische Grundlagen, Festlichkeiten und besondere Einzelpersonen wurden in runden Ortsdarstellungen präsentiert. Es ist erstaunlich, wie viele Beobachtungen und Erkenntnisse von den Studenten und Schülern gemacht wurden. Die Bilder belegen die großartige Arbeit der Teams.
Gegen 20 Uhr ging es wieder mit dem Bus zum neuen Standort. Eine Ferienanlage direkt am Schwarzen Meer.

Freitag 21. Juli

Ziel des Tages war, die uns so gut bekannte Donau nach ihrer über 2700 km langen Reise quer durch Europa an ihrer Mündung ins Schwarze Meer aufzusuchen. Mit einem kleinen Ausflugsschiff folgten wir einem der vielen Mündungsarme bis zum Kilometer „0“. Dort, wo sie sich mit dem Schwarzen Meer vereint hat. Auf der Rückfahrt durch das endlose Schilf machten wir einen Stop bei einer kleinen Siedlung auf einer kleinen Donauinsel. Schon am hölzernen Steg erwartete uns die Köchin zur traditionellen Fischsuppe „Ocha“.
Ein Bad im europäischsten aller Flüsse war für alle ein bleibendes Ereignis. Von Ulm in sogenannten „Ulmer Schachteln“ zogen schwäbische Kolonisten zu Beginn des 19. Jahrhunderts bis hierher, um dann als Siedler vom russischen Zaren(Alexander I.) für Bessarabien gewonnen zu werden.
Im Feriendorf abends angekommen, warfen wir uns alle in die Fluten des Schwarzen Meeres und erfrischten uns an einer mächtigen Wassermelone. Schon morgen werden wir diesen herrlichen Ort verlassen.

Hier noch ein paar fotografische Eindrücke von der Rückreise.